Kurt Oesterle: Heimatsplitter im Weltgebäude. Essays zur deutschen Literatur 1992 – 2017

31. Oktober 2017

Als letztes Buch des Tübinger Schriftstellers und Journalisten Kurt Oesterle ist im Vorjahr den Roman „Martha und ihre Söhne“ erschienen. Darin werden  Drittes Reich und die ersten Nachkriegsjahre aus der Sicht einer jungen Frau geschildert, die sich in der neuen, demokratischen Zeit nicht zurechtfinden kann. Nun hat er Essays zur deutschen Literatur aus 26 Jahren in dem Band „Heimatsplitter veröffentlicht, die er als Autor für regionale und überregionale Zeitungen geschrieben hat.

In einer durch die drei Herausforderungen „Globalisierung, Digitalisierung und Ökonomisierung“ gekennzeichneten Welt, sollen diese Heimatsplitter „eine nahrhafte, sprich nachhaltig wirksame Wegzehrung“ sein. Kurt Oesterle sieht diese als eine „Mitgift“, die eingebrachte werden soll „in ein unvermeidlich zu errichtendes künftiges Weltgebäude“.

Wer sind die, von denen er sich Halt und Orientierung auf dem Weg in die globale Zukunft verspricht?

Unter anderem Johann Peter Hebel, aus Hausen im Wiesental, der mit einem Gedenkblatt zum 175. Todestag mit dem Titel „Aufklärung und Auferstehung“ vertreten ist. Oesterle sieht in Hebel neben Lessing den, „Glücksfall“, dem nicht ein schiefes Wort über die Juden entfallen sei. Hebel habe deshalb auch in der Judenfeindschaft „die Grenzen der Aufklärung“ erkannt.

Vertreten ist Hebel auch mit der Interpretation einer kurzen Kalendergeschichte „Der Hagellocher Freiheitstraum“. Darin beschreibt er eine Begegnung des Herzogs Carl Eugen mit zwei Männern auf einem Berg über Hagenloch, in dem Oesterle den Ort Hagelloch am Rand des Schönbuchs nahe Tübingen sieht. Einer der beiden klärt den Herzog darüber auf, dass dieser sein Besitz sei, während der andere gerne den Augenblick genutzt und den Ort „hechingisch“ gemacht und damit befreit hätte.

Für den Essay „Die heimliche deutsche Hymne“ über das Gedicht „Der gute Kamerad“ erhielt Kurt Oesterle 1998 den Theodor-Wolff-Preis. Geschrieben 1809 von Ludwig Uhland und 1825 von Friedrich Silcher vertont, ist es besser bekannt mit seinem ersten Vers: „Ich hatt einen Kameraden“ und beschließt so jährlich wiederkehrend fast jede Feier zum Volkstrauertag. Die wechselvolle von Umdeutungen gekennzeichnete Geschichte das Lied erfuhr, wird facettenreich und anschaulich geschildert.

Neben Schiller, Hölderlin, Mörike und anderen, die im Buch eines Autors, dessen Lebensmittelpunkt Tübingen ist, nicht verwundern, bei denen es aber immer wieder Überaschendes und Neues zu entdecken gibt, finden sich auch Namen, die man in diesen „Heimatsplittern“ nicht erwartet hätte.

In dem Aufsatz „Urach, Kanaan, Deutschland einig Vaterland“ schildert Oesterle die Sommeraufenthalte des späteren DDR-Kulturministers und Schöpfers der DDR-Hymne am Rande der Schwäbischen Alb in Bad Urach. Eine lebensreformerische Siedlung an der Erms war für ihn Zufluchtsort, dessen er sich noch in seinem Moskauer Exil in dem Versepos „Urach oder Der Wanderer aus Schwaben“ in idyllischen Versen erinnerte.

Zu finden ist der Band als E-Book oder PDF unter: www.kurt-oesterle.de

http://www.kurt-oesterle.de



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